Gewalt an Schulen: Arten, Ursachen und Prävention durch Lehrkräfte

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Autor
Peter Döscher

Von der Polizei (1. Polizeihauptkommissar) zum schulischen Interventions- und Präventionsexperten bei Kompetenz Sieben.

Gewalt an Schulen ist längst kein Randthema mehr. Körperliche Auseinandersetzungen, verbale Angriffe, psychische Gewalt, Ausgrenzung und digitale Konflikte belasten den Schulalltag vieler Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern. Dabei entsteht Gewalt in der Schule selten aus einem einzelnen Auslöser. Häufig treffen familiäre, soziale, schulische und gesellschaftliche Faktoren aufeinander.

Umso wichtiger ist eine Gewaltprävention an Schulen, die nicht erst im Akutfall beginnt. Lehrkräfte, Schulleitungen und pädagogische Mitarbeitende benötigen klare Handlungskompetenzen, um Konflikte frühzeitig zu erkennen, deeskalierend einzugreifen und nach Vorfällen professionell zu handeln. Gleichzeitig braucht es verbindliche Regeln, ein gemeinsames Vorgehen im Kollegium und eine Schulkultur, in der Verantwortung, Respekt und Sicherheit konsequent gefördert werden.

Dieser Beitrag zeigt, welche Arten von Gewalt an Schulen auftreten, welche Ursachen dahinterstehen können und welche Maßnahmen gegen Gewalt an Schulen in der Praxis helfen.

Das Wesentliche in Kürze

  • Gewalt an Schulen ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung und kann nicht allein von Schulen gelöst werden.
  • Die Erwartungen an Schulen sind hoch. Gleichzeitig fehlen im Alltag oft ausreichend Zeit, Personal und pädagogische Handlungssicherheit.
  • Ein Teil der Schülerinnen und Schüler verfügt nur eingeschränkt über soziale, emotionale oder sprachliche Kompetenzen. Das erschwert Unterricht, Beziehungsarbeit und Konfliktlösung.
  • Früher und intensiver Medienkonsum kann das direkte soziale Lernen beeinträchtigen. Konflikte werden dadurch häufiger digital verstärkt oder ungefiltert in den Schulalltag getragen.
  • Gewaltprävention setzt häufig erst dann ein, wenn Konflikte bereits eskaliert sind. Wirksam wird sie vor allem dann, wenn Schulen frühzeitig, verbindlich und gemeinsam handeln.

Ursachen für Gewalt in der Schule

Erst wenn wir verstehen, welche existenziellen Bausteine unserer Gesellschaft ganz oder teilweise zum Thema Gewalt in der Schule nicht mehr funktionieren, haben wir die Möglichkeit mit gezielten und nachhaltigen Veränderungsmechanismen positive Wirkungen herbeizuführen. Fehlende soziale Kompetenzen, Aggressionen, Ich-Bezogenheit, mangelhafte oder keine Deutschkenntnisse sowie mangelnde Empathie-Fähigkeit können als Gründe für die Zunahme der Gewalt an Schulen dienen.

Jugendliche, die Alkopops trinken. Zwei junge Männer, die sich gegenseitig am Pullover packen und aggressiv aussehen. Drei weitere Jugendliche stehen sehr nah drumherum.

Die wichtigsten Ursachen für Gewalt an Schulen lassen sich in mehrere Bereiche einteilen:

  • Familiäre und soziale Faktoren: Unterschiedliche oder fehlende Normen- und Wertevermittlung, eigene Gewalterfahrungen, Armut, fehlende erzieherische Grundlagen, eine ablehnende Haltung gegenüber staatlichen Einrichtungen sowie die Verlagerung familiärer Erziehungsaufgaben auf die Schule können Gewaltverhalten begünstigen.
  • Schulisches Umfeld: Viele Schulen stehen unter hoher Belastung. Politisch und gesellschaftlich übertragene Aufgaben treffen häufig auf begrenzte zeitliche, personelle und pädagogische Ressourcen. Hinzu kommen Verhaltensauffälligkeiten, mangelnde Schulreife, ein angespannter Umgangston, uneinheitliches Handeln im Kollegium sowie Unsicherheiten im Umgang mit Konflikten und Alltagssituationen.
  • Digitale Einflüsse & Medien: Ein früher und intensiver Medienkonsum kann Schreibkompetenz, Textverständnis und soziales Lernen beeinflussen. Wenn soziales Verhalten noch nicht gefestigt ist, können digitale Inhalte, gewalthaltige Darstellungen oder problematische Vorbilder Konflikte verstärken und Gewalt als scheinbares Mittel zur Problemlösung erscheinen lassen.
  • Nachwirkungen der Pandemie: Reduzierte soziale Kontakte, Einsamkeit und unterbrochene Lern- und Entwicklungsprozesse wirken bei vielen Kindern und Jugendlichen nach. Das kann soziale Unsicherheit, Rückzug, Frustration oder erhöhte Reizbarkeit begünstigen.
  • Peergroup-Effekte: In Gruppen können Dynamiken entstehen, die Abwertung, Ausgrenzung oder Entwertung verstärken. Besonders bei einem noch nicht gefestigten Selbstbild und fehlenden sozialen Kompetenzen kann der Wunsch nach Anerkennung innerhalb der Gruppe zu aggressivem Verhalten führen.
  • Gesamtgesellschaftliche Entwicklungen: Individualisierung, starke Egoismen, schnelle emotionale Anspannung, mangelnde Resilienz, eingeschränkte Impulskontrolle und abnehmende reale soziale Interaktionen können das Konfliktverhalten von Kindern und Jugendlichen beeinflussen. Diese Entwicklungen zeigen sich auch im Schulalltag.

Was sind familiäre Einflüsse bei Gewalt in der Schule?

Die Familie prägt die soziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wesentlich. Wenn Sicherheit, Bindung, Orientierung und Verlässlichkeit fehlen, kann das Risiko für aggressives Verhalten steigen.

  • Gewalterfahrung: Kinder, die häusliche Gewalt erleben oder beobachten, können Gewalt als vermeintlichen Problemlöser kennenlernen.
  • Erziehungsstil: Fehlende Grenzen, wenig Verlässlichkeit oder unklare Konsequenzen können soziale Kompetenzen schwächen.
  • Fehlende Bindung: Emotionale Kälte, Ignoranz oder mangelnde Zuwendung können die Entwicklung von Empathie erschweren.
  • Rollenverständnis: Es ist deutlich, dass der Wandel im Rollenverständnis der Eltern vom fördernden und fordernden Modell zum freundschaftlichen Lebensbegleiter und Bedürfniserfüller, bei dem Grenzen setzen eher nicht mehr vorkommt und gerne an Erzieher und Lehrer delegiert werden, zu Verhaltensänderungen führt. Das Lernen „mit Enttäuschungen umzugehen“ ist diesem Wandel aus unserer Sicht auch weitgehend zum Opfer gefallen.

Schulische Rahmenbedingungen als Ursache für Gewalt an Schulen

In Schulen treffen unterschiedliche Lebensrealitäten, Entwicklungsstände und Belastungen aufeinander. Bestimmte Rahmenbedingungen können Konflikte verstärken oder Gewaltprävention erschweren.

  • Leistungsdruck: Sich wiederholende Misserfolge und Versagensängste führen leicht zu Frustrationen, die sich nicht selten in Aggression wandeln.
  • Schulklima: Gemeinsame Regeln, Wertschätzung und tragfähige Beziehungen reduzieren Gewalt nur dann, wenn sie im Alltag konsequent gelebt werden.
  • Uneinheitliches Handeln: Reagieren Lehrkräfte unterschiedlich auf Regelverstöße, entstehen Unsicherheit und neue Konfliktspielräume.
  • Räumliche Bedingungen: Enge Flure, überfüllte Klassenräume oder fehlende Rückzugsmöglichkeiten können das Reizniveau erhöhen.
Schüler und Schülerinnen sitzen in der Klasse und schreiben vermutlich eine Klassenarbeit. Sie sind von hinten zu sehen.

Individuelle & Psychologische Faktoren

Der Umgang mit Druck ist individuell und damit bei jedem Schüler anders. Die unterschiedlichen Voraussetzungen der Sozialisierung spielen eine entscheidende Rolle.

  • Mangelnde Impulskontrolle: Die Regulierung starker Emotionen wie Wut, Neid und Enttäuschung fällt schwer oder gelingt gar nicht.
  • Geringes Selbstwertgefühl: Reduzierter Selbstwert ist oft Antreiber für die Demonstration von Macht und Status innerhalb der Peers, um Unsicherheiten zu verschleiern.
  • Fehlende Konfliktlösungsstrategien: Wenn sprachliche Ausdrucksfähigkeit und soziale Kompetenzen fehlen, werden Konflikte schneller körperlich oder verletzend ausgetragen.

Peergroup, Medien und Sozialraum als Verstärker

Gruppen Gleichaltriger, digitale Medien und das soziale Umfeld können bestehende Konflikte verstärken und Gewalt sichtbarer oder wahrscheinlicher machen.

  • Peer-Group (Gleichaltrige): Anerkennung und Bedeutung als zwei wichtige Grundbedürfnisse von uns Menschen haben in einer Clique eine besondere Gewichtung, als „Türöffner“ kann Gewalt ein als wirkungsvoll erlebter „Schlüssel“ sein.
  • Medienkonsum: Gewalthaltige Inhalte in sozialen Medien, Filmen oder Spielen können Gewalt als scheinbar normale Konfliktlösung erscheinen lassen.
  • Sozioökonomischer Status: In einem Wohnumfeld, in dem Armut und Perspektivlosigkeit die sichtbaren Rahmenbedingungen stellen, wird sich Selbstwert nur schwer entwickeln und negative Gefühle verstärkt werden.

Zunehmende Gewalt an Schulen: Fakten, Wahrnehmung und Einordnung

Ob Gewalt an Schulen tatsächlich zunimmt oder stärker wahrgenommen wird, lässt sich nicht allein mit einem Blick auf Statistiken beantworten. Polizeiliche Zahlen, mediale Berichterstattung, digitale Sichtbarkeit und das subjektive Sicherheitsgefühl zeigen jeweils nur einen Teil der Realität. Wichtig ist deshalb eine differenzierte Einordnung. Viele Schulen erleben eine reale Belastung durch Gewalt, gleichzeitig können öffentliche Wahrnehmungen und Statistiken durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden.

Ein Bleistift hat 5 mal 5 Striche gezeichnet wobei der fünfte Strich die anderen vier Striche durchgestrichen hat. Aktuell ist er bei weiteren 2 Strichen.

Warum Gewalt an Schulen heute stärker wahrgenommen wird

Die öffentliche Wahrnehmung von Gewalt in der Schule ist häufig von dem Eindruck geprägt, dass Konflikte zunehmen und schneller eskalieren. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Mediale Präsenz: Extreme Kapitaldelikte wie z. B. Tötungen und schwerste Körperverletzungen unter Einsatz von Säbeln, Messern oder anderen Waffen werden unmittelbar und mit Vorrang (Sondersendungen) medial begleitet.
  • Digitalisierung der Gewalt: Durch Smartphones und soziale Medien werden Konflikte häufiger gefilmt, geteilt und öffentlich diskutiert. Gewalt bleibt dadurch nicht mehr auf den Schulhof, Flur oder Klassenraum begrenzt, sondern wird sichtbarer.
  • Sensibilisierung: Lehrkräfte, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler nehmen Gewalt, Mobbing, Ausgrenzung und Bedrohungen heute bewusster wahr. Viele Vorfälle werden schneller benannt, gemeldet und bearbeitet als früher.
  • Veränderte Haltung zu Gewalt: Wenn Schulen klarer definieren, was als Gewalt gilt, und konsequenter handeln, werden mehr Vorfälle sichtbar. Dadurch kann das sogenannte Dunkelfeld kleiner werden: Fälle, die früher nicht erfasst wurden, erscheinen nun in Gesprächen, schulischen Dokumentationen oder Statistiken.

Zur Info: Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst vor allem strafrechtlich relevante und bekannt gewordene Delikte. Viele Formen von Mobbing, Cybermobbing, Abwertung, Ausgrenzung, Beleidigung oder psychischer Gewalt werden dort nicht vollständig sichtbar. Studien und Erhebungen wie PISA oder die JIM-Studie zeigen jedoch, dass solche Belastungen das Schulklima erheblich beeinträchtigen können.

Diese Einordnung bedeutet nicht, dass zunehmende Gewalt an Schulen nur ein Wahrnehmungsproblem ist. Viele Schulen erleben reale Belastungen durch körperliche und psychische Gewalt, Bedrohungen, digitale Angriffe sowie wiederkehrende Störungen im Unterricht, in Pausen oder im schulischen Umfeld. Die genannten Faktoren helfen dabei, Statistiken und öffentliche Debatten differenziert einzuordnen.

Was sagen die Statistiken zur Gewalt in der Schule?

In Deutschland liefert die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) wichtige Daten, wobei man genau hinschauen muss: Die PKS ist eine Tatverdächtigen-Statistik und erfasst das, was ermittelt oder angezeigt wird.

Aktuelle Zahlen zeigen dennoch eine deutliche Entwicklung:

  • Die Zahl der polizeilich erfassten Gewalttaten an Schulen ist in den vergangenen Jahren bundesweit gestiegen. Für 2024 wurden 28.760 Gewalttaten an Schulen in Deutschland erfasst. 2022 waren es 20.979 Fälle. Das entspricht einer Zunahme von 37,1 %.
  • Im Deutschen Schulbarometer 2025 gaben 47 % der Lehrkräfte an, dass es an ihrer Schule Probleme mit physischer oder psychischer Gewalt gibt (Quelle: Deutsches Schulportal).
  • Eine DGUV-Umfrage zeigt: 90 % der Lehrkräfte berichteten, dass es im vergangenen Schuljahr Fälle körperlicher Gewalt zwischen Schülerinnen und Schülern gab. 31 % nahmen solche Fälle häufig wahr, 59 % selten. Nur zehn Prozent berichteten von keinen entsprechenden Vorfällen.
  • Knapp ein Drittel (30 %) der befragten Lehrkräfte schildern, dass sie im Schulalltag häufig Schläge und Tritte beobachten. 18 % nehmen häufig Haareziehen und Kneifen wahr, 12 % berichten von häufigem Würgen und Am-Hals-Packen. 8 % der Befragten geben an, dass es an ihrer Schule häufig zu Angriffen mit Gegenständen und Waffen kommt. 6 % geben an, dass sie häufig sexualisierte Gewalt beobachten. Mehr als zwei Drittel der Lehrkräfte (69 %) geben an, dass körperliche Gewalt an ihrer Schule generell nicht häufig vorkommt.
  • Qualität der Gewalt: Während die Zahl der Delikte nicht überall dramatisch steigt, berichten Schulleitungen aber oft von einer neuen Intensität. Die Hemmschwelle, nachzutreten oder Waffen (Messer) mitzuführen, scheint in bestimmten Schulen oder explizit sozialen Brennpunkten gesunken zu sein.
  • Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) des BKA: Neben Gewalt zwischen Schülerinnen und Schülern nimmt auch Gewalt gegen Lehrkräfte an Bedeutung zu. Für 2024 wurden 1.283 Fälle vorsätzlicher einfacher Körperverletzung gegen Lehrkräfte polizeilich erfasst. Bei Gewaltkriminalität gegen Lehrkräfte wurden 2024 insgesamt 557 Fälle registriert; 2015 waren es 268 Fälle.

Typische Arten von Gewalt an Schulen: Eine Übersicht

Gewalt im schulischen Kontext kann unterschiedliche Formen annehmen. Sie reicht von körperlichen Übergriffen bis zu psychischer Gewalt, Ausgrenzung oder digitalen Angriffen.

Eine Gruppe Jugendlicher trinkt Alkohol und raucht. Einer von Ihnen zeigt auf einen anderen Jungen und guckt ihn scharf an.
  • Körperliche Gewalt: Dazu zählen Schlagen, Treten, Stoßen, Festhalten, Würgen oder Angriffe mit Gegenständen. Auch Sachbeschädigung kann im schulischen Umfeld eine Rolle spielen.
  • Psychische und verbale Gewalt: Hierzu gehören Beleidigungen, Drohungen, Abwertung, Ausgrenzung, Bloßstellung oder gezielte Einschüchterung. Diese Form der Gewalt ist nicht immer sofort sichtbar, kann das Schulklima aber stark belasten.
  • Digitale Gewalt und Cybermobbing: Konflikte setzen sich häufig über Messenger, soziale Netzwerke oder geteilte Bilder und Videos fort. Durch die digitale Verbreitung können Beleidigungen, Drohungen oder Bloßstellungen eine besonders große Reichweite und Dauer bekommen.
  • Strukturelle Faktoren: Auch schulische Rahmenbedingungen können Konflikte begünstigen, etwa starre Abläufe, fehlende Rückzugsmöglichkeiten, unklare Regeln oder Überforderung im System. Sie sind nicht die alleinige Ursache von Gewalt, können Spannungen aber verstärken.

Gewaltprävention an Schulen: Effektive Ansätze und Konzepte

Gewaltprävention an Schulen muss als kontinuierlicher Prozess verstanden werden. Einzelne Aktionstage oder kurzfristige Maßnahmen reichen meist nicht aus. Entscheidend sind klare Regeln, ein einheitliches Handeln im Kollegium, verlässliche Beziehungen und feste Strukturen für Prävention, Intervention und Nachbereitung.

Zudem muss Gewaltprävention früh ansetzen und im Schulalltag fest verankert sein. Sie darf sich nicht auf einzelne Maßnahmen beschränken, sondern braucht ein gemeinsames Verständnis im Kollegium und klare Abläufe für den Umgang mit Konflikten.

Scrabblesteine, die die Wörter sichere Schule bilden.

Prävention im Schulalltag verankern

Wirksame Gewaltprävention beginnt nicht erst im Akutfall. Sie entsteht im Alltag durch klare Orientierung, Beziehung und Berechenbarkeit.

  • Klare Regeln und Konsequenzen: Leitbild, Schulordnung und Klassenregeln sollten verständlich, verbindlich und im Kollegium einheitlich umgesetzt werden.
  • Beziehungsarbeit und Anerkennung: Wertschätzung, Verlässlichkeit, gute Leistungsförderung und eine erkennbare Anerkennungskultur stärken das Vertrauen zwischen Lehrkräften und Lernenden. Das kann Frustration reduzieren und das Selbstwertgefühl fördern.
  • Soziales Lernen: Sozialkompetenz sollte regelmäßig gefördert werden, besonders in sensiblen Übergängen wie der 1./2. und 4./5. Jahrgangsstufe. Besonders wirksam sind praxisnahe Trainings, in denen Konfliktsituationen realitätsnah, auch unter Stress, geübt und reflektiert werden.
  • Präsenz und Aufsicht: Gewaltprävention braucht sichtbare Verantwortung. Wenn Lehrkräfte hinschauen, ansprechbar sind und einheitlich handeln, stärkt das die Orientierung der Schülerinnen und Schüler.
  • Partizipation: Klassenrat, Schülerrat und die Beteiligung an Regeln fördern Autonomie, Verantwortung und Identifikation mit der Schulgemeinschaft.
  • Schulsozialarbeit: Eine enge Kommunikation zwischen Lehrkräften und Schulsozialarbeit hilft, Auffälligkeiten früher zu erkennen und passende Unterstützung anzubieten.
  • Frühzeitige Intervention: Warnsignale sollten ernst genommen werden, bevor Konflikte eskalieren. Je länger auffälliges Verhalten unbearbeitet bleibt, desto schwieriger wird eine wirksame Intervention.
  • Unterstützungssysteme: Gewaltprävention gelingt besser, wenn Schulen mit Kitas, Horten, Schulsozialarbeit, Eltern, Kommune und weiteren Partnern im Sozialraum zusammenarbeiten.

Mehrebenen-Modell der Gewaltprävention

Erfolgreiche Gewaltprävention an Schulen setzt auf mehreren Ebenen an:

Primäre Prävention (Universell): Schüler sind an den wichtigsten Entscheidungsprozessen in der Schule beteiligt (Autonomie) wie z.B. Leitbild, Schulordnung und Klassenrat; Sozialtrainings sind als permanentes Angebot vorhanden und greifen in den unterschiedlichen Jahrgangsstufen auch spezifische Problemstellungen auf.

Sekundäre Prävention (Selektiv): Aufbau von Strukturen in der Lehrerschaft, die ein gezieltes Erkennen und den Austausch über Verhaltensauffälligkeiten ermöglichen, um so frühestmöglich Unterstützung und Hilfe zu geben.

Tertiäre Prävention (Indiziert): Klärung (Intervention) nach akuten Gewaltvorfällen; Zuständigkeiten sind vorab geregelt, das Personal bestimmt und ausgebildet (Mediatoren), Emotionen sind abgeklungen, Handlung eingeordnet, Täter-Opferausgleich, strafrechtliche oder schulordnungsrechtliche Relevanz (oder beides?), Begleitung der beteiligten Personen, interne Kommunikation.

Gewaltprävention ist nur dann wirksam, wenn sie von der gesamten Schulgemeinschaft getragen wird. Ein wertschätzendes Schulklima ist eine wichtige Grundlage, ersetzt aber keine professionelle Prävention. Schulen brauchen klare Zuständigkeiten, Handlungssicherheit im Kollegium und verbindliche Abläufe für den Umgang mit Konflikten und Gewalt.

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Maßnahmen gegen gewalttätige Schüler und Deeskalation

Gewalt an Schulen ist komplex und belastet Lehrende wie Lernende. Ein Patentrezept gibt es nicht. In der Praxis hat sich eine Kombination aus akuter Deeskalation, klarer Nachbereitung und langfristiger Präventionsarbeit bewährt.

Akute Deeskalation im Konfliktfall

In einer akuten Konfliktsituation geht es zuerst darum, Sicherheit herzustellen und das Erregungsniveau zu senken. Lehrkräfte müssen klar, ruhig und handlungssicher reagieren.

  • Ruhe bewahren: Lehrkräfte wirken im Konflikt als Modell. Eine ruhige Stimme, klare Körpersprache und bewusst langsames Handeln können helfen, die Situation zu stabilisieren.
  • Sicherheit herstellen: Gefährliche Gegenstände müssen gesichert, Unbeteiligte geschützt und bei Bedarf Unterstützung geholt werden. Bei körperlichen Auseinandersetzungen sind Nothilfe, Garantenpflicht und Zumutbarkeit zu beachten.
  • Stopp-Signal setzen: Eine klare Intervention durch Stimme, Haltung und Distanz kann helfen, die Eskalation zu unterbrechen. Beteiligte sollten getrennt und der Blickkontakt möglichst unterbrochen werden.
  • Opferschutz sichern: Betroffene Personen brauchen Schutz, Soforthilfe und eine klare Ansprechperson. Es muss geklärt werden, wer informiert werden muss und welche Unterstützung notwendig ist.
  • Gewaltfrei kommunizieren: Beschreibende Sprache, Ich-Botschaften und einfache Fragen helfen eher als Vorwürfe oder bewertende Du-Botschaften.
  • Grenzen setzen: Regeln müssen klar benannt und Verstöße konsequent, verhältnismäßig und transparent bearbeitet werden.

Nachbereitung und pädagogische Maßnahmen

Die eigentliche Aufarbeitung sollte zeitlich versetzt stattfinden, wenn die Emotionen abgeklungen sind. Dann kann geklärt werden, wer beteiligt war, was passiert ist, welche Folgen angemessen sind und wie ähnliche Vorfälle künftig verhindert werden können.

Mögliche Maßnahmen sind:

  • Trainingsraum-Programm: Der Schüler oder die Schülerin reflektiert das eigene Verhalten außerhalb der Klasse.
  • Täter-Opfer-Ausgleich: Ziel ist es, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und Empathie für die Folgen des Vorfalls zu entwickeln.
  • Ordnungsmaßnahmen: Verweis oder zeitweiser Ausschluss vom Unterricht können notwendig sein, um Grenzen zu verdeutlichen und die Schulgemeinschaft zu schützen.
  • Strafrechtliche Schritte: Bei schweren Vorfällen kann eine Anzeige erforderlich sein. Dann müssen schulische Maßnahmen und rechtliche Schritte sauber voneinander abgegrenzt werden.

Bei schweren Gewaltvorfällen sollte ein schulinternes Kriseninterventionsteam eingebunden werden. Dafür müssen Zuständigkeiten, Kommunikationswege, rechtliche Handlungsspielräume und Schnittstellen zu Polizei, Jugendhilfe oder Behörden vorher klar geregelt sein. Auch Datenschutzfragen und die interne sowie externe Kommunikation sollten vorbereitet werden.

Im schulischen Umfeld sollte nicht vorschnell Schuld im Mittelpunkt stehen, sondern Verantwortung. Entscheidend ist, dass Schülerinnen und Schüler lernen, ihr Verhalten einzuordnen, Folgen zu erkennen und künftig anders zu handeln.


Gerade in akuten Konfliktsituationen brauchen Lehrkräfte klare Handlungsmöglichkeiten. Kompetenz Sieben unterstützt Schulen mit praxisnahen Trainings zu Deeskalation, Eigenschutz, Kommunikation und rechtlichen Grundlagen.

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Eigenschutz als wichtiger Bestandteil

Eigenschutz beginnt mit der Wahrnehmung der verbalen und nonverbalen Signale des Gegenübers. Auch Gruppendynamik, Räumlichkeit, Stimmung und die eigenen kommunikativen sowie körperlichen Möglichkeiten müssen berücksichtigt werden.

Bestehen Zweifel, ob eine Deeskalation gelingt, und steht keine Unterstützung zur Verfügung, kann Rückzug oder Trennung der Beteiligten angezeigt sein. Bei akuter körperlicher Gefährdung, hoher Eskalation oder Waffen im Spiel beginnt die Zuständigkeit der Polizei.

Inhalte eines Trainings gegen Gewalt an Schulen für pädagogische Fachkräfte

Trainings für pädagogische Fachkräfte fokussieren sich auf Deeskalation, Anti-Gewalt-Strategien, gelingende Kommunikation und rechtliche Fragen. Sie verbinden theoretische Grundlagen mit praxisnahen Übungen, Rollenspielen und konkreten Handlungsabläufen.

Wichtige Trainingsschwerpunkte sind:

  • Deeskalationstraining: Erlernen von professionellen Handlungsoptionen, um aggressive Situationen zu entschärfen.
  • Selbstreflexion: Wer bin ich, was bin ich und was will ich? Welche persönlichen Eigenschaften stehen mir zur Verfügung, was sind meine Methoden? Wie reagiere ich unter Stress und zu welchen eher wirkungslosen Floskeln neige ich? Wie gehe ich mit meinen Erfolgen und wie mit meinen Misserfolgen um? Was weiß ich über meine Selbstwirksamkeit? Wo hole ich mir Hilfe?
  • Gewaltfreie Kommunikation (GFK): Beschreibende statt bewertender Kommunikation.
  • Rechtliche Rahmenbedingungen: Schulung zu Notwehr, Nothilfe und Pflichten bei Gewaltvorfällen.
  • Krisenmanagement: Verhalten bei Grenzüberschreitungen, Konfliktanalyse und Vorbereitung auf schwierige Elterngespräche.
  • Interventionspläne: Training zur Erstellung von Notfallplänen. Wer ruft wen an? Wie wird die Presse informiert? Abgrenzung zu anderen Behörden und Ämtern; wer macht was und wo sind wichtige Schnittstellen? Wie und wie oft wird geübt? Wie wird das Kollegium nach einem Vorfall psychologisch betreut?
  • Gefährdungsbeurteilung: Schulungen zur Einschätzung, ob ein Schüler eine ernsthafte Gefahr (z.B. Amokdrohung) darstellt oder ob es sich um pubertäres Imponiergehabe handelt. Ansprechpartner bei der Polizei; Datenschutz klären!

Sie möchten Ihr Kollegium im Umgang mit Gewalt und Konflikten stärken? Kompetenz Sieben unterstützt Schulen mit praxisnahen Trainings für Schulleitungen, Lehrkräfte und Pädagogische Mitarbeitende. Nehmen Sie gerne unverbindlich Kontakt auf, um passende Inhalte und Ziele für Ihre Schule zu besprechen.

Wenn Sie Fragen haben, konstruktive Kritik oder Anregungen, dann freue ich mich über Ihre Kontaktaufnahme!

Ihr    
Peter Döscher

P.S. Weitere Informationen zum Umgang mit aggressiven Schülern / Jugendlichen finden Sie in dem Buch (Dissertation) von Dr. Matthias Wolter “Gewalt vermeiden: Vom Wissen zum Können!: Wie Soziale Kompetenztrainings effektiv wirken”.

Gut sein, wenn es darauf ankommt!

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Häufige Fragen zum Thema “Umgang mit Gewalt in der Schule”

Warum ist Gewaltprävention an Schulen wichtig?

Im wichtigen Sozialisierungsbereich Schule, in dem Normenverstöße „normal“ sind, kommt der Gewaltprävention eine besondere Bedeutung zu. Sie erkennt frühzeitig Warnsignale, arbeitet professionell akute Situationen ab und entwickelt langfristige Strategien. Sie muss im Alltag gelebt werden!

Woran erkennen Lehrkräfte frühe Warnzeichen für Gewalt?

Es gibt nicht „die“ Warnzeichen! Mit den Lernenden in Beziehung zu sein, ihr Vertrauen zu haben, steigert die Wahrnehmung von Veränderungen im Verhalten, in der Stimmung oder atmosphärisch. Dabei geht es nicht um anbiedern, sondern um ehrliches Interesse, ohne die professionelle Distanz zu verlassen.

Wo entstehen Gewaltsituationen in der Schule besonders häufig?

Die Entstehung reicht von Schulhöfen, Fluren oder Toiletten über Klassenräume (vor oder nach dem Unterricht) bis zu Chats, wird aber nicht primär durch die Örtlichkeit oder das Medium begründet,sondern von der Höhe des Risikos, entdeckt zu werden.

Welche Sofortmaßnahmen können Lehrkräfte bei gewalttätigen Schülern ergreifen?

Sicherheit herstellen, gefährliche Gegenstände sichern; Emotionen reduzieren, sie haben Vorrang! Streithähne trennen, Augenkontakt unterbrechen; ggf. Verstärkung rufen. Klärung im Regelfall am nächsten Tag; Vorfall zügig an die betroffenen Personen kommunizieren!

Was ist für eine nachhaltige Gewaltprävention an Schulen notwendig?

Aktionstage sind nicht nachhaltig! Nur wenn Kollegien in ihrem Handeln für Schüler berechenbar sind, stimmige, klare Regeln – vom Leitbild über die Schulordnung bis zu den Klassenregeln, gemeinschaftlich erarbeitet – vorhanden sind und gelebt werden und letztendlich die Handlungskompetenzen des Lehrkörpers gut sind, ist Nachhaltigkeit wahrscheinlich.

Wann ist ein Deeskalationstraining für Lehrkräfte und Schulpersonal sinnvoll??

Zur Verbesserung der Selbstwirksamkeit, zur Selbstreflexion, zur Steigerung des Selbstwertes und zur Kontrolle der eigenen Haltung ist ein Training sinnfällig. Das Rollenspiel ist die Trainingsform für Pädagoginnen und Pädagogen. Hier kann es sogar gelingen, stressbesetzte Situationen in Routinebereiche zu überführen.

Ihr Feedback freut uns!

Wenn Ihnen dieser (wie immer viel zu kurze oder zu oberflächliche) Meinungsblog gefallen oder auch nicht gefallen hat, schreiben Sie mir gerne ein Feedback. Auch wenn Sie Anregungen für einen neuen Blog haben, freue ich mich über Ihre Zuschriften an doescher@kompetenz-sieben.de.

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Bildquellen

Jugendliche Aggression: 15935521-2010 ©Monkey Business-Gang Of Youths Fighting

Schüler in Klasse: 10999280-2010-picsfive–students

Strichliste: 39007013 – 2013 ©sebschneider–Strichliste

Jugendliche: 29494727-2013- ©Monkey Business–Group Of Threatening Teenagers Hanging Out

Sichere Schule: 13031592-2010 ©debert–Sichere Schule

Blumenkübel: 51266091 2013 ©Stefan Körber-Hund & Katze: DenGuy / iStock